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Gaby Pas-Van Riet

Gaby Pas-Van Riet ist ein Name, der in der internationalen Flötenwelt mit Respekt ausgesprochen wird. Seit Jahrzehnten inspiriert sie Musikerinnen und Musiker – als Solistin, Orchestermitglied, Kammermusikerin und Pädagogin. Ihre Laufbahn führte sie von ihrer Kindheit in Belgien auf Bühnen und in Unterrichtsräume rund um den Globus. Doch wer Gaby kennt, weiß: Ihre Bedeutung reicht weit über das Musikalische hinaus. Sie lehrt Menschen nicht nur zu spielen, sondern auch zu atmen, zu hören und sich miteinander zu verbinden.

Der Atem als Ursprung

1959 wurde Gaby Pas-Van Riet in Essen (Belgien) geboren. Als sie im Alter von acht Jahren erstmals die Flöte in die Hand nahm, fand sie ihr Instrument – und ihre Sprache: Atem, aus dem Klang entsteht. Mit vierzehn Jahren erhielt sie ein Stipendium des belgischen Staates für ein Studium an der Hochschule für Musik in Köln bei Wilhelm Schwegler, Soloflötist des WDR-Sinfonieorchesters.

„Mit vierzehn fühlte ich mich klein, aber auch auserwählt“, erinnert sie sich. Später setzte sie ihr Studium bei Peter-Lukas Graf in Basel fort. Beide Studiengänge schloss sie mit Solodiplom und Auszeichnung ab. Doch für sie bedeuteten diese Abschlüsse keinen Endpunkt, sondern einen Anfang: „Alles, was ich lernte, eröffnete neue Wege, neue Klangwelten.“

Die Welt als Orchester

Zwischen 1978 und 1983 war Gaby Soloflötistin des Jugendorchesters der Europäischen Gemeinschaft – eine prägende Zeit, die ihren musikalischen Horizont nachhaltig erweiterte.

„Im Europäischen Orchester arbeiteten wir unter anderem mit Karajan und Abbado. Man lernt zuzuhören, zu reagieren und mit dem Orchester zu atmen.“

In diesen Jahren erkannte sie, wie der eigene Klang Teil eines größeren Ganzen wird. Sie lernte, Atem, Timing und Phrasierung auf den gemeinsamen Puls von Dutzenden Musikerinnen und Musikern abzustimmen – eine Erfahrung, die sie später auf die großen Bühnen der Welt tragen sollte.

Gastauftritte bei den Berliner Philharmonikern, dem New York Philharmonic, dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks und dem Bayreuther Festspielorchester festigten ihren internationalen Ruf. Besonders lebhaft erinnert sie sich an einen Moment:

„Ich weiß noch genau, wie ich als junge Flötistin gebeten wurde, mit den Berliner Philharmonikern zu spielen. Alles passte zusammen: der Saal, die Akustik, die Musiker. Es fühlte sich an wie Heimkommen – auf höchstem Niveau.“

Neben ihren internationalen Engagements baute Gaby Pas-Van Riet über Jahrzehnte eine stabile künstlerische Heimat in Stuttgart auf. 33 Jahre lang war sie Soloflötistin des SWR Symphonieorchesters Stuttgart.

Lehren als zweiter Atem

Schon früh begann Gaby zu unterrichten. Ab 1996 lehrte sie am Königlichen Konservatorium in Antwerpen, später an der Hochschule für Musik Saar in Saarbrücken. Darüber hinaus reiste sie für Meisterkurse, Flöten-Workshops und als Jurorin bei internationalen Wettbewerben um die ganze Welt.

Ihre Studierenden schätzen sie nicht nur wegen ihrer technischen Präzision, sondern vor allem wegen ihrer Haltung. Sie vermittelt Musikalität, Mentalität und Menschlichkeit. „Sie sah nicht nur die Flötistin in mir, sondern auch den Menschen dahinter“, berichtet eine ehemalige Studentin.

Im Unterricht machte sie erfahrbar, wie Atem, Körper und Technik ein zusammenhängendes System bilden. „Ich nutze meine eigene Atmung als Modell – man kann beinahe fühlen, wie die Frequenz entsteht“, sagte sie einmal bei einem Workshop. Technik ist für sie kein Selbstzweck, sondern das Fundament für Ausdruck.

Der nachhaltige Einfluss ihres Unterrichts zeigt sich in vielen persönlichen Geschichten. Angela Stone, die ein Jahr lang als Au-pair bei der Familie lebte, erzählt:

„Als ich im September ankam, hatte ich keine Ahnung, wie man Mozart konstant spielt oder sich auf Orchesterproben vorbereitet. Im Frühling bestand ich mein erstes Vorspiel. Doch es ging nie nur um Flöte. Ich lernte, das Leben zu genießen, zu lachen und mit schwierigen Momenten umzugehen. Am wertvollsten waren die Lektionen darüber, wie die Familie mit Charlottes Krankheit umging – Werte, die ich 30 Jahre später noch immer in mir trage.“

Aufnahmen und Repertoire

Gaby Pas-Van Riet zeichnete sich nicht nur durch Virtuosität aus, sondern vor allem durch Neugier. Mit großer Leidenschaft hauchte sie vergessenen Repertoires neues Leben ein, darunter romantische Flötenkonzerte von Hendrik Waelput und Peter Benoit.

„Es gibt so viel romantisches Repertoire, das darauf wartet, wiederentdeckt zu werden“, sagte sie einmal.

Dieser Entdeckergeist spiegelt sich auch in ihren Aufnahmen wider: von Kooperationen mit dem Linos Harfenquintett über Romantic Flute Concertos (2008) bis hin zu späteren Einspielungen von Werken Georg Abraham Schneiders und Friedrich Hartmann Grafs. Über Jahrzehnte hinweg brachte sie Musik zurück auf die Bühne, die lange ungehört geblieben war.

Für viele dieser Werke gilt: Ohne ihr Engagement wären sie vielleicht stumm geblieben.

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