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Deine neue Oboe einspielen. So geht es richtig

Grenadillholz ist dicht, schwer und äußerst feuchtigkeitsempfindlich. Eine neue Oboe sofort in vollem Umfang zu spielen, verlangt dem Holz mehr ab, als es verträgt. Der Unterschied zwischen einem Instrument, das jahrelang hält, und einem, das früh reißt, liegt in den ersten Wochen der Nutzung. Ein gutes Einspielschema kostet wenig Zeit und verhindert vieles.

Warum reißt eine Oboe schneller als eine Klarinette?

Die Bohrung einer Oboe ist konisch — oben eng und zur Glocke hin weiter. Das hat akustische Vorteile, setzt das Holz aber auch höheren internen Druckschwankungen beim Spielen aus. Im Oberstück baut sich Kondensfeuchtigkeit sehr schnell auf, während die Außenseite des Instruments noch trocken ist.

Diese Spannung zwischen feuchtem Inneren und trockenem Äußeren lässt das Holz arbeiten. Geht das zu schnell, reißt es. Grenadillholz (Dalbergia melanoxylon) ist hart genug, um das zu überstehen — aber nur, wenn das Holz Zeit hat, sich allmählich zu gewöhnen. Klarinetten haben eine zylindrische Bohrung und ein größeres Gesamtvolumen. Der Druckaufbau pro Flächeneinheit ist dort deutlich geringer.

Trockene Winter in Westeuropa

Zentralheizung senkt die Luftfeuchtigkeit in Innenräumen schnell auf 20 bis 30 Prozent. Grenadillholz arbeitet am besten bei einer Luftfeuchtigkeit zwischen 45 und 55 Prozent. Unter 40 Prozent wird es kritisch — das Holz schrumpft und das Rissrisiko steigt schnell. Achte auch auf Klimaanlagen: Eine Klimaanlage trocknet die Luft genauso stark aus wie eine Zentralheizung und stellt damit eine ebenso große Gefahr für das Instrument dar.

Das Einspielschema für eine neue Oboe

Das Prinzip ist einfach: kurz spielen, das Holz trocknen lassen, wiederholen. Die Spieldauer baust du über die ersten Monate schrittweise auf. Spiele abwechslungsreich und wechsle zwischen Registern und Dynamik, damit die Feuchtigkeit gleichmäßig ins Holz einzieht.

Beginne jede Spielsitzung mit dem Aufwärmen. Halte das Oberstück ein paar Minuten in den Händen oder lege es an den Körper. Blase niemals warme Luft durch ein kaltes Instrument, um es auf Temperatur zu bringen. Ein Strom warmer, feuchter Atemluft durch ein noch kaltes Instrument ist genau die Situation, die Risse verursacht.

Der erste Monat: Behutsamer Aufbau

  • Woche 1: Begrenze die Spieldauer auf 10 bis 15 Minuten pro Tag. Wärme das Instrument immer zuerst von außen mit deinen Händen oder deinem Körper auf und spiele ausschließlich ruhig im tiefen Register. Vermeide in dieser Phase hohe Töne und laute Dynamik. Beende jede Sitzung damit, die Innenseite gründlich mit einem Wischer zu trocknen.
  • Woche 2: Du kannst die Spieldauer etwas auf 20 bis 25 Minuten pro Tag ausweiten. In dieser Woche darf mehr Variation im Register eingebaut werden, sofern du das Instrument danach sofort gründlich mit dem Wischer trocknest.
  • Woche 3 und 4: Die Spieldauer darf auf 30 bis 35 Minuten pro Tag erhöht werden. Du kannst nun mit deinem normalen Repertoire beginnen und die Dynamik beim Spielen vorsichtig weiter ausbauen.

Monat 2 bis 3: Gewöhnung

  • In diesem Zeitraum kann die tägliche Spieldauer auf 45 bis 60 Minuten erhöht werden.
    Obwohl das Instrument sich nun mehr an die Belastung gewöhnt, bleibt es wichtig, auf plötzliche Temperaturschwankungen zu achten.

Ab dem dritten Monat: Normaler Gebrauch

  • Nach drei Monaten ist das Instrument in den Grundzügen eingespielt und normaler Gebrauch ist erlaubt. Beachte jedoch, dass das vollständige Einspielen einer Oboe in der Regel sechs Monate bis ein Jahr dauert.
  • Dauerhafter Hinweis: Auch nach der Einspielphase bleiben das vorherige Aufwärmen von außen und das sorgfältige Trocknen der Bohrung nach jeder Spielsitzung die wichtigsten Maßnahmen zur Vorbeugung von Rissen.

Der Oboen-Befeuchter: vom Herbst bis zum frühen Frühjahr

Ein Befeuchter reguliert die Luftfeuchtigkeit rund um das Instrument, wenn es nicht gespielt wird. In den Wintermonaten ist das keine Kür. Unter 40 Prozent Luftfeuchtigkeit wird es kritisch — Grenadillholz schrumpft sichtbar, auch bei Instrumenten, die schon Jahre alt sind.

So betrachtet: Der Befeuchter erledigt nachts die Arbeit, die das Einspielschema tagsüber begonnen hat. Das Holz ist dann nicht der trockenen Heizungsluft oder Klimaanlage ausgesetzt, sondern einer stabilen Umgebung von 45 bis 55 Prozent Luftfeuchtigkeit. Verwende ein Boveda Humidity Pack im Koffer.

  • € 110,-

    Infos

    Boveda B49-70-20P

    Reguliert die Luftfeuchtigkeit im Koffer automatisch auf 49 %. Einfach lose in den Koffer legen — kein Nachfüllen von Wasser nötig. Ersetzen, wenn das Pack sich hart anfühlt.

  • € 15,-

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    Boveda B49-08-10P

    Reguliert die Luftfeuchtigkeit im Koffer automatisch auf 49 %. Einfach lose in den Koffer legen — kein Nachfüllen von Wasser nötig. Ersetzen, wenn das Pack sich hart anfühlt.

Holzöl: was es tut und wie du es anwendest

Holzöl verlangsamt, wie schnell das Holz bei den ersten Tönen einer Spielsitzung Feuchtigkeit aufnimmt. Es legt einen dünnen Film über die Poren auf der Innenseite der Bohrung, sodass Kondenswasser gleichmäßiger aufgenommen wird. Es "nährt" das Holz nicht — Grenadilla braucht keine Nahrung.

Stelle sicher, dass die Bohrung gut getrocknet ist. Gib dann ein paar Tropfen Öl auf einen Wischer und arbeite die Innenseite des Instruments vorsichtig mit einer leichten Schicht ein. Bringe niemals Öl an den Tonlöchern oder in deren Umgebung auf — das beschädigt die Polster.

In den ersten drei Monaten empfehlen wir, das Instrument etwa einmal pro Woche einzuölen. Danach langsam auf einmal alle zwei Monate reduzieren bis zur Mitte des ersten Jahres. Ab dem zweiten Jahr reicht ein- bis zweimal pro Jahr.

Bei einem gebrauchten Instrument ist das je nach Oboe unterschiedlich. Wie alt ist es? Wie wurde es gepflegt? Wie trocken ist das Holz derzeit? Ein neuer Besitzer sollte das Instrument zuerst von einem Spezialisten prüfen lassen. Dieser kann vor Ort beurteilen, wie viel Öl das Instrument braucht und wie am besten vorzugehen ist.

Zu viel Öl ist nicht harmlos. Das Holz sättigt sich, die Bohrung beginnt zu kleben und die Polster können sich lösen. Außerdem wird der Klang dumpfer — und das ist nicht rückgängig zu machen. Weniger ist hier konsequent besser.

Verwende ausschließlich Holzöl, das speziell für Holzblasinstrumente entwickelt wurde. Bei Adams führen wir das Mancke Mandelöl, geeignet für Oboen, Flöten und Mundstücke. Andere Öle können das Holz oder den Mechanismus beschädigen.